36. LANDESWEITE KUNSTSCHAU „HOCHSTAPELN“

36. Landesweite Kunstschau_Hochstapeln_BBK M-V 2026

Die 36. Landesweite Kunstschau HOCHSTAPELN präsentiert 50 aktuelle Positionen der Bildenden Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern und widmet
sich dem Spannungsfeld von Identität und Raum sowie der Rolle von Kunst und Kultur in öffentlichen Räumen.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass unsere Lebensräume durch Schichtung entstehen: Funktionen, Erinnerungen, Erwartungen und Bedeutungen überlagern sich und verdichten sich zu Räumen, die wir bewohnen, durchqueren und erleben.

HOCHSTAPELN versteht diese Verdichtungen nicht nur als bauliche oder räumliche Phänomene, sondern als Prozesse, die Wahrnehmung,
Zugang und Teilhabe strukturieren. Die Ausstellung begreift die gebauteUmwelt nicht als neutrale Kulisse, sondern als Teil kultureller und gesellschaftlicher Prozesse, und lädt dazu ein, Raum nicht als gegeben hinzunehmen, sondern als etwas, das gestaltbar ist – und das zugleich unser Wahrnehmen und Handeln formt.

Spurensuche, Dokumentation, Ortung und Bestandsaufnahme sind Ausgangspunkte der fotografischen Werkreihen.

Durch die Reduktion auf Form und Farbe wird der Prozess des Sehens selbst fokussiert und eine neue Bilderwelt kann entstehen. Der Reiz liegt in der Ausarbeitung einer ganzen Serie, um verschiedene Details sichtbar zu machen und den Betrachter zu eigenen Asso-ziationen einzuladen. Diesmal sind es Schichtungen variierender Bahnen von Asphalt (Erdharz), ein Gemisch aus Bitumen (Erdpech, organisch) und Gestein, die zu einem Formenspiel inspirierten.

COMPOUND ist eine fotografische Spurensuche aus der Vogelperspektive. Kaum befahrene Landstraßen fokussiert betrachtet und reduziert auf Formen und Farben zeigen Schichtungen, Zwischenräume und temporäre Zeichen.
Straßen sind über die verkehrstechnische Nutzung hinaus Teil des öffentlichen Raums, in dem Menschen leben und sich bewegen. Straßen schaffen Verbindungen zwischen verschiedenen Lebensräumen sowie zwischen Land und Stadt. Straßen können Wege in andere Welten sein, frei von Raum und Zeit. Handelsstraßen waren immer schon ein Ort für sozio-kulturellen Austausch. Strategisch angelegt, dienen sie der Versorgungssicherheit und sind teilweise auch zur militärischen Nutzung gedacht. Der Straßenbau ist zudem eine Form von Landnahme in unserem Ökosystem, wo die zunehmende Versiegelung von Flächen problematisch wird.

Der Werkstoff Asphalt bildet auch einen Bezug zur Geschichte der Fotografie. Die erste dauerhaft erhaltene Fotografie entstand 1826 von Joseph Nicéphore Niépce auf einer mit Asphalt beschichteten, 21 cm × 16 cm großen polierten Zinnplatte. Unter Lichteinwirkung, teilweise bis zu 8 Stunden, wurde der Asphalt gehärtet, so dass bei der anschließenden Entwicklung nur die schwächer belichteten Asphaltpartien herausgelöst wurden. Das Bild, ein Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers, war damit fixiert und lichtbeständig.

COMPOUND,  MV 2026
Fotoaufnahmen mit einer Mini-Drohne, Print auf Alu-Dibond
Einzelformat: je 27 x 48 cm
3 Serien Vertikal, Gesamtgröße 130 x 204 cm

35. LANDESWEITE KUNSTSCHAU „UNANGEBRACHT“

Mein Beitrag in der DuG, Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock, ehemalige Untersuchungshaftanstalt der DDR

UNANGEBRACHT, 35. Landesweite Kunstschau 2025

Unter dem Titel UNANGEBRACHT findet vom 26. Januar bis 23. März 2025 in der Kunsthalle Rostock und der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt die 35. Landesweite Kunstschau des BBK M-V statt. Sie widmet sich dem Spannungsfeld um die verfassungsrechtlich zugesicherte Frei­heit der Ausübung, Lehre und Vermittlung der Kunst und deren Einschränkungen. Stellt die Kunst doch eine nicht zu unterschätzende Größe für die demokratische Ge­ sellschaft dar.

Die Kunstschau wird auch Bezug zur zeitgleich in der Kunsthalle Rostock stattfindenden Aus­stellung Kate Diehn-Bitt, KünstlerinSEIN im Zusammenspiel mit Susanne Rast herstellen, die Werke der bedeutenden Ma­lerin präsentiert. Die im Nationalsozialismus unter Arbeitsverbot und innerer Emigra­ tion leidende Berufskollegin Diehn-Bitt blieb mutig, ließ sich nicht vereinnahmen oder verbieten. 1945 wurde sie Vorsitzende der Sektion Bildende Kunst des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Rostock. Aus dieser Organisation ging später der Verband Bildender Künstler der DDR hervor. Aus dessen Bezirks­verbänden Rostock, Schwerin und Neubrandenburg entstand 1990 der Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern, der heutige Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Mecklenburg-Vorpommern (BBK M-V).

Gleichwohl stieß Diehn-Bitt auch in der DDR-Zeit an Grenzen, musste sich mit Ein­schränkungen auseinandersetzen.

Zum ersten Mal kooperieren der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Mecklenburg-Vorpommern e.V. und die Kunsthalle Rostock mit der Dokumentations-­ und Gedenkstätte in der ehemaligen Untersuchungshaft der Staatssicherheit Rostock. Diese hat sich seit ihrer Gründung im Oktober 1999 zu einem bedeutenden Ort der In formation und Dokumentation über die SED-Diktatur sowie des Gedenkens an deren Opfer entwickelt.

Die Ausstellung UNANGEBRACHT zeigt Werke von 50 Künstlerinnen und Künstlern und wird von der Kunsthistorikerin Tereza de Arruda kuratiert.

Vielfältige künstlerische Ausdrucksformen wie Malerei, Objekte, Installationen, Per­formances und ortsspezifische Interventionen werden präsentiert. Diese Werke sind das Ergebnis eines intensiven soziopolitischen Austauschs, der aktuelle Themen auf­ greift, historische und persönliche Vergangenheiten reflektiert und den Blick auf zu­ künftige Perspektiven zur Freiheit der Kunst richtet.

Inspiriert vom Ort, von der Situation ausgehend und in der Abstraktion über diese hinausweisen.

Nach vielen digitalen Arbeitsprozessen wählt die Fotografin noch einmal die Camera Obscura, um auf einfache physikalische Weise das Licht auf fotochemischem Material festzuhalten. Dazu nimmt sie Einblick in verschiedene Zellen der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit Rostock. Die Camera Obscura dient als Aufzeichnungsbox des unbemerkten Blicks des Aufsehers bei Verwendung des kleineren der zwei Tür-Spione. Kein Ausblick möglich, das Fenster aus Glasbausteinen gibt nur ein wenig Licht. Ein analoger Arbeits-& Entwicklungsprozess vor Ort bannt diese Lichtformen auf Film/Fotopaper. Aus der Bildserie entsteht eine Wandinstallation mit verschiedenen Assoziationsmöglichkeiten.

Oft wird durch die Reduktion auf Details, auf Licht und Schatten und auf einfachteste Physik der Prozess des Sehens selbst fokussiert und eine neue, eigene Bilderwelt kann entstehen. Ihr Reiz liegt im Spiel der eigenen Formensprache und in der Ausarbeitung einer ganzen Serie, um minimale Veränderungen sichtbar zu machen. Das Medium Fotografie bildet die künstlerische Basis, die wiederkehrenden Themen >> Innen – Außen – Umraum – Zwischenraum – Schwelle – Übergang << immer wieder neu zu denken und unter neuen Aspekten darzustellen.

Wo ist das Fenster / wo ist denn das Fenster / zwei Reihen Glasziegel, dazwischen ein Spalt / und atmen / das machen sie / und nicht nur mit dir / und denk bloß nicht, nur hier.

…aber am Glasziegelschacht hörst du die Stadt / Autohupen / Straßenbahnen / aber am Glasziegelschacht wird dir bewiesen: das Leben geht weiter und hupt und kreischt in den Kurven / aber am Glasziegelschacht kommt es hoch und taumelt zurück und will nichts mehr hören / und gar nichts mehr singen / und gar nichts mehr sein.

Bürotüren / wieder dieser Teppich und sein Rot / eine Eisentür wird geöffnet / du bist im Gefängnis / Zelltüren / Riegel / Spione / Eisengitter / glänzender Fußbodenbelag / grelles, künstliches Licht / sieh doch nicht hin / nimm es nicht an / aber wo soll ich denn hinsehen / es ist doch überall.

Textquelle: Fuchs, Jürgen: Vernehmungsprotokoll November 1976 – September 1977. Jaron Verlag Berlin 2018, 1. Auflage

33. LANDESWEITE KUNSTSCHAU „BETWIXT AND BETWEEN“

SCHICHTWECHSEL im Sozialgebäude der ehemaligen Volkswerft Stralsund

Subjektive Fotografie / gefundene Bilder

Projekte:

Kunstvermittlung / Kunst im öffentlichen Raum / Performance / Videos